Ich hoffe ihr findet es nicht zu kitschig, aber ich konnte einfach nicht anders. Zum ersten Mal seit dem KeksRPG tausche ich mal wieder sämtliche Ernsthaftigkeit gegen mein kindisches Ich ein*g* Viel Spaß und ich hoffe es gefällt euch!
-3834 Wörter-
liebe Grüße
Sunki
"Hey Jonas, pass auf das du keinen Hai erwischst!"
Jonas war den Spott der Jogger gewohnt.
Jeden Sonntag saß er in seinem kleinen Paddelboot, mitten auf dem See im Stadtpark. Einen See konnte man das Gewässer eigentlich gar nicht nennen. Es war ein Teich maximal, eine Pfütze eher, und Jonas saß mit seiner Angel wie auf dem Präsentierteller. Jonas war ein ganz normaler Mann mittleren Alters, hatte Frau und zwei Kinder, und einen recht gut bezahlten, aber nervenaufreibenden Bürojob. Umso mehr genoss er die Zeit die er Sonntags beim Angeln hatte, auch wenn er wusste, dass es hier wahrscheinlich gar keine Fische gab. Es entspannte ihn eben.
Der Tag war herrlich, der Himmel nur von ein par Wolken bedeckt, die Sonne schien Jonas auf den Anglerhut und ein par Libellen tanzten in der Luft Tango. Jonas schloss die Augen und lehnte sich zurück. Er schlief ein in seinem kleinen Boot.
Doch selbst wenn Jonas wach gewesen wäre, hätte er nicht sehen können, wer mit ihm in seinem Paddelboot schipperte. Kein blinder, aber ein unsichtbarer Passagier.
Fasi Fürchterlich, ausgebildete Teufelsbraut, und zuständig für jedes Missgeschick, das Jonas Woche für Woche widerfuhr, stand seefest trotz erhöhtem Wellengang am Bug, und sah wahrhaft teuflich aus. Ein Feuerrotes Kostüm, natürlich mit dem passenden Umhang, und der Dreizack zeigten ihren Rang in der Höllenhierarchie. Zwei rote Hörner lugten zwischen ihren pechschwarzen Haaren hervor, allerdings noch nicht all zu lang, denn die ein oder andere Beförderung ließ noch auf sich warten. Nussbraune Augen und ein schmaler schwarzer Mund formten sich zu einem schadenfrohen und teufelsroten Gesicht, als Fasi einen altertümlichen Handbohrer hervor zauberte, sich auf den Boden setzte, und damit begann ein schönes kleines Loch in das Boot zu bohren. Fasi pfiff fröhlich "Im Himmel ist die Hölle los" von der EAV,während der Bohrer quietschend seine Arbeit verrichtete, und freute sich schon höllisch darauf Jonas ins Wasser fallen zu sehen.
Doch plötzlich wurde die kleine Teufelin von einem kurzen Puffen unterbrochen, und vor ihr stand ein Junge in schneeweißem Gewand, mit goldenem Haar, strahlend blauen Augen und leicht geröteten Wangen. Auf seinem Rücken trug er weiße Flügelchen, und ein Heiligenschein leuchtete wie eine schwebende Lampe über seinem Haupt.
"Zum Teufel, musst du mich so erschrecken?" Fuhr Fasi den Neuankömmling harsch an. "Oh Verzeihung das wollte ich nicht!" ,antwortete der kleine Engel beschämt. "Und wer bist du wenn ich fragen darf?" Fasi klang nicht so als würde es sie wirklich interessieren. "Ich bin Frances, Jonas neuer Schutzengel!" ,ertönte die stolze Antwort, bevor seine Stimme ernster wurde. "Hey sagmal was machst du denn da? Lass das, da kommt doch Wasser rein!" Fasi lachte gehässig. "Ja genau!" Der Bohrer rutschte mit einem Ruck in das Loch, und schon begann das Wasser zu sprudeln. Jonas schreckte hoch, sah die Fontäne welche durch den Rumpf seines Bootes schoss, ließ vor Schreck seinen Anglerhut ins Wasser plumpsen, und genauso schnell wie das Loch auftauchte, verschwand es auch wieder. Was Jonas nicht sah, war das sein neuer Schutzengel Frances einen Korken in das Loch gestopft hatte, um dem Wasser Einhalt zu gebieten. Fragend kratzte er sich am Kopf. "Findest du das witzig?!" ,fragte Frances während er den Finger auf den Korken drückte. Fasi nickte eifrig, während sie über beide Ohren grinste. "Ja klar!" Der kleine Engel guckte so ernst er konnte, was für ihn allerdings ziemlich schwierig war, da man sich im Himmel meistens nur freute. "Warum musst du nur so gemein sein?" "Warum? Warum fragst du?" Fasi hüpfte hoch, stemmte die Hände in die Hüften und machte sich so groß sie konnte. "Na schau mich doch mal an!" Sie warf ihren Umhang zurück um die Pose zu vollenden. "Ich bin Fasi Fürchterlich, das fieseste und gemeinste Höllenmädchen, diesseits des Fegefeuers!" Gepaart mit einem teuflischen Grinsen reckte sie die Nase in die Höhe. "mmh... du siehst aber gar nicht so böse aus!" ,sagte Frances und lächelte freundlich. "Waaaas?" Fasi lief noch roter an als sie es eh schon war, und in ihren Augen loderten Flammen. "Ich seh nicht böse aus?!" Sie schrie ihn an und war außer sich vor Wut. "Nein eigentlich siehst du richtig nett aus!" Frances Lächeln war ehrlich, und seine großen blauen Augen strahlten.
"Wie kannst du es wagen? Weißt du eigentlich nicht wer vor dir steht? Ich und nett, ich und lieb... PAH! Vorher friert die Hölle zu!" Plötzlich bebte der Erdboden kurz, und das Boot schwankte sodass Fasi stolperte und einen Purzelbaum vorwärts machte. Der Fürst der Finsternis hatte es nicht gerne wenn man Späße auf seine Kosten machte, und so kegelte die Teufelin ihren himmlichen Gegner um, welcher das Gleichgewicht verlor und hilfeschreiend auf ihr landete. Beide brauchten ein par Sekunden um zu realisieren was passiert war, doch als sie wieder klar sahen, blickten sie sich tief in die Augen und ihre Nasen berührten sich. Frances lächelte verlegen, und Fasi explodierte: "Geh... von... mir... runteeeer!!!" Im hohen Bogen flog der Engel durch die Luft und landete mit einem lauten Platsch im Wasser. Fasi hüpfte blitzschnell hoch, strich ihr Kostüm glatt, und ordnete sich die Haare. Ein böser Blick zum im Wasser treibenden Frances, bevor sie den Korken im Boot sah, den sie nun ohne Probleme rausziehen konnte. Sie überlegte, und beschloss nach kurzem hin und her, dass es ersteinmal genug war für heute. Es gab einen lauten Knall und Fasi verschwand in einer schwarzen Rauchwolke.
Frances stapfte triefend nass aus dem Wasser. Sein weißes Hemd klebte ganz unangenehm auf seiner Haut, und die Flügel hingen schwer herunter. Sein Heiligenschein thronte wie ein vollgesogener Schwamm auf den Haaren, die in triefenden Strähnen von seinem Kopf fielen. "So ein gemeines Mädchen!" ,murmelte er, während er den Heiligenschein auswrang. Er spürte ein Kribbeln in seinem Bauch, und beschloss erst einmal etwas zu essen. Ein kurzes Puffen und er verschwand.
Ein paar Tage später im Himmel.
Frances saß im göttlichen Speisesaal und wusste genau was gleich passieren würde. Von draußen hörte man bereits unzählige Damen vor Begeisterung kreischen. Immer lauter wurde es, immer mehr schrille Töne drangen durch die Tür, bis sie schließlich weit auf schwang, und ein Hühnenhafter Kerl, mit schwarzen, zurückgegelten Haaren, einer ultramodischen Sonnenbrille, und dem perfekten Zahnweißlächeln stand dort umringt von unzähligen sexy Engelsdamen. Eine enge weiße Lederhose formte seine Beine, ein weißes Muscleshirt betonte das Sixpack, die Flügel glänzten silbern, und sein Gürtel trug eine riesengroße Schnalle in Herzform. Sein Gang war lässig, jede Bewegung locker und cool. Mitten im Saal stoppte er als er Frances sah, der etwas niedergeschlagen drein schaute. Er nahm sein Freshmint-Kaugummi aus dem Mund und gab es einer seiner Begleitungen in die Hand, welche sofort vor Entzückung in Ohnmacht fiel. "Wartet hier kurz Ladies! Amor ist gleich wieder bei euch!" ,ertönte eine dunkle maskuline Stimme, bevor Amor zu Frances stolzierte. Schwungvoll ließ er sich auf den Stuhl gegenüber fallen, legte die glänzenden Cowboystiefel hoch auf den dritten Platz, und zog die Sonnenbrille auf die Nasenspitze.
Frances blickte nicht hoch. Er rührte Gedankenverloren mit dem Löffel in seinem Ambrosiapudding und seufzte. "Frances was ist los mit dir?" ,begann Amor in schneller Folge. "Ist es wegen deinem alten Kunden? Ich hab dir schon gesagt, Amor besiegt alles, aber auch Amor kann keinen alten Esel zum Hengst machen, wenn du verstehst was ich meine... Aber du hast ja Glück: Der Neue den du beschützen sollst, ist ein wahrer Experte!" Er vermied es Frances anzusehen. Stattdessen zog er einen Spiegel aus der Tasche, und kontrollierte den korrekten Sitz seiner Haare. Am Ende zog er noch eine Augenbraue hoch, und warf seinem Spiegelbild einen Kuss zu.
"Nein nein das ist es nicht...", seufzte Frances und rührte weiter im Pudding.
"Ist es nicht?" Amor schaute kurz am Spiegel vorbei, bevor er ihn auf den Tisch legte, und aus einem verschmitzten Grinsen ein breites Lächeln formte. "aaaa Amor weiß was los ist! Love is in the Air!" Über den Tisch klopfte er Frances einmal ruckartig auf die Schulter. "Na los gibs zu, du kannst Amor sowieso nichts vor machen!" Er stoppte kurz um die letzte Zeile wie ein Opernsänger vorzutragen. "Denn ich bin der Liebesgott! Du weißt doch, ich mache Amore den ganzen Tag!" Frances malte mit dem Löffel ohne es wirklich zu merken ein Herz in den Pudding. "Na komm schon Frances alter Junge! Du kannst es Amor ruhig sagen, wer ist die Glückliche hmm?"
Frances seufzte noch lauter und länger als zuvor. "Ihr Name ist Fasi!" ,sagte er leise und schüchtern, was dann nur umso lauter vom Liebesgott wiederholt wurde. "Fasi also ja? Der Name sagt mir ja gar nichts, und dabei kenne ich doch alle Ladies hier im siebten Himmel!" Er grinste vielsagend, und kam erneut nicht drum herum sich mit seinem Spiegelbild zu beschäftigen. "Nein nein sie ist nicht hier im Himmel?" Amor zog einen Klappkamm aus der Hosentasche, und perfektionierte die Welle in seinem Haar. "Aber Frances, du weißt doch das die Menschen uns nicht sehen können, und du möchtest doch gesehen werden oder?" Amors perfekt weiße Zähne strahlten ihm aus dem Spiegel entgegen. "Nein auch kein Mensch..." Francis seufzte nun so laut, das man es noch ein par Tische weiter hören konnte, und nach langem Zögern sagte er schließlich: "Sie ist wohl... ein Höllenmädchen!" Amor fiel vor Schreck der Spiegel aus der Hand. "Ein waaas?" Aufgeschreckt vom zersprungenen Spiegel eilten sofort Amors Begleitungen in Stöckelschühchen zu ihm. "Oh nein Amor, ist dir was passiert?" Besorgt zerrten sie alle gleichzeitig an ihm herum; eine legte sogar ihre Hand auf seine Stirn, um zu testen ob er Fieber hat. "Frances das geht nicht!" Sagte er bestimmend, schob seine Sonnenbrille hoch, und fügte kurz an: "Alles in Ordnung Ladies!" Einer hauchte er einen Kuss zu, was sie sofort mit einer weiteren Ohnmachtsattacke honorierte. "Ja ich weiß..." ,antwortete Frances niedergeschlagen. Der Liebesgott stand in seiner ganzen Pracht auf. "Frances, hier gibt es genug Ladies für alle, glaub mir, du brauchst keine wildgewordene Höllenbraut! Such dir eine andere, und dann frag einfach Amor, okay?"
Amor ging mit seinem kreischendem Gefolge, und lies Frances einsam und ratlos zurück. Sein Bauch fühlte sich so unglaublich leer an, und das kleine teuflische Mädchen, mit ihrem verschmitzten Lächeln, und den wunderschönen Augen ging nicht aus seinem Kopf. Er dachte an ihre Lachfältchen, als sie Jonas Boot durchbohrte, und wie stolz sie doch aussah als sie sich aufregte. Was sollte er denn bloß tun?
Wieder war es Sonntag, und wieder lag Jonas in seinem kleinen Boot und entspannte. Fasi ließ natürlich nicht lange auf sich warten, denn schließlich wollte sie endlich Jonas nass machen. Sie hatte sich diesmal besser vorbereitet, und einen Akkubohrer dabei. Damit würde es deutlich schneller gehen, das Boot zu durchlöchern. Sie kniete sich also auf den Boden, setzten den Bohrer an, und nach einem kurzen Puffen erschien auch wie erwartet Frances. "Ah da bist du ja endlich!" ,sagte Fari grinsend, und während sie ihn so angrinste, bohrte sie schon das erste Loch ins Boot. Frances reagierte nicht darauf. Er saß am anderen Ende der Nussschale und wusste nicht was er sagen sollte, als er seine verbotene Liebe mit verträumtem Blick ansah. Die erste Fontäne kam aus dem Boden, und Jonas schreckte hoch. Das Höllenmädchen war überhaupt nicht amüsiert über das Verhalten von Frances, und bohrte provokativ ein weiteres Loch in den Boden. Wieder keinen Reaktion. "Hey was ist los mit dir?" ,fragte Fasi, während das Boot langsam voll lief, und Jonas alle Hände voll zutun hatte, mit seinem Anglerhut das Wasser wieder hinaus zu befördern. Frances wurde rot; er wusste gar nicht was er sagen sollte. Sein Hals war trocken. Warum hatte er sich denn auch nicht vorbereitet? "Bist du krank Engel?" Frances wusste genau wenn er nun den Mund öffnen würde, käme nichts Verständliches dabei raus. "Ich äh... ich..." Fasi zog die Stirn in Falten. "Ich hab extra auf dich gewartet, und nun bist du hier und willst dich gar nicht über meine Gemeinheiten aufregen?" In Frances Kopf kamen nur wirre Satzfetzen an. Er konnte vor Aufregung gar nicht richtig zuhören. Nur die Wörter "...ich habe extra auf dich gewartet..." ,klangen wie Musik. Er musste es ihr sagen, er war ein Engel, es sollte kein Problem sein ihr seine Gefühle zu gestehen. Aber sie würde ihn bestimmt auslachen! Sie war eben eine Teufelin, die fieseste und gemeinste diesseits des Fegefeuers, das sagte sie selbst. Was bildete er sich eigentlich ein? Er sollte auf Amor hören und sich eine Andere suchen... Eine Andere? Aber er wollte doch überhaupt keine Andere, nur die eine! Diese kleine rote Geschöpf der Hölle hatte ihm den Kopf verdreht, sie war die einzige zwischen Himmel und Hölle die er lieben konnte!
"Na was ist nun?" ,fragte Fasi auffordernd. War das seine Chance? Er musste es ihr einfach sagen, er konnte nicht anders, und ausgelacht zu werden, ist immernoch zehn mal besser als es nie versucht zu haben. Er nahm also allen Mut zusammen: "Ich... ähm... ich muss..." und verschwand: "Ich muss weg!" Ein kurzes Puffen und der Engel hatte sich in Luft aufgelöst.
Später im Himmel:
Frances saß niedergeschlagen im himmlichen Speisesaal und war so traurig wie schon lange nicht mehr. Amor hatte schon die ganze Geschichte erzählt bekommen, und wusste, dass er Frances nicht davon abbringen konnte. "Amor ist zum Liebe machen da, und nicht um die Liebe zu zerstören!" Wie sollte Frances seiner großen Liebe je wieder unter die Augen treten, nach seinem feigen Davonlaufen? "Amor du musst mir helfen! Ich wusste genau was ich ihr sagen wollte, aber als ich dann vor ihr stand, und sie ansah... da wusste ich gar nichts mehr!" Amor grinste. "Ich will so stark und selbstbewusst sein, aber ihr Anblick macht mich schwach. Ich bin völlig fasiniert Amor!" Frances senkte den Kopf. "Aber aber... Frances nu lass mal den Kopf nicht hängen! Amor wäre nicht Amor, wenn er nicht eine Lösung für solche Fälle hätte!" Der Liebesgott erhob sich, und zog einen Winzigen Bogen nebst kleinen Pfeil mit roter Herzspitze aus der Hosentasche. Frances guckte etwas verwirrt, als Amor Pfeil und Bogen mit den Fingerspitzen hielt. "Sag nichts, den hat mir der Chef geschenkt als ich noch ein kleines Baby war!" Er spannte den Bogen, und schoss den Pfeil, welcher auf wundersame Weise in Frances Herz eindrang, ohne ihn zu verletzen. "Und Frances weißt du nun was du zutun hast?" Amor nickte triumphierend, denn er kannte die Antwort bereits. Plötzlich war Frances alles klar. Er wusste genau was er seiner Fasi sagen musste, und nichts sollte ihn davon abhalten. Nun konnte er es kaum erwarten, sie am Sonntag wieder zu sehen!
Am nächsten Sonntag saß Frances schon im Paddelboot, als Jonas noch gar nicht da war. Als dieser endlich kam, lief es wie üblich. Er paddelte mit zwei drei Schlägen bis zur Mitte des Sees, warf einen Stein ins Wasser, der an einer Schnur mit dem Boot verbunden war -als Anker sozusagen- hielt die Angel aus dem Boot, und lehnte sich zurück. Der Himmel war blau, die Sonne lachte und Vögel sangen im ganzen Stadtpark. Dieser Tag war perfekt, und heute würde er es ihr endlich sagen können! Frances wartete, er freute sich auf Fasi, dachte jede Sekunde an sie und die Minuten flossen dahin. Eine ganze Stunde verschwand in Gedanken, und Frances wurde langsam ungeduldig. Eine weitere Stunde verging. Natürlich biss kein Fisch an, und Jonas hatte sowieso die ganze Zeit geschlafen, doch dann plötzlich gab es einen Lauten Knall, eine schwarze Rauchwolke nebelte das Boot ein, und Frances freute sich.
Endlich war sie da! ... dachte er zumindest, doch als sich der Rauch verzog stand dort nur ein kleiner grüner Gnom in gebückter Haltung, mit langen filzigen Haaren, einer hässlichen Hakennase samt Warze und großen gelben Auge. Der Gnom schaute sich entspannt um, popelte ein wenig in der Nase und sah schließlich Frances. "Igitt wer bist du denn?" ,fragte der Gnom, als sei ER nicht das scheußliche Wesen hier. "Ich bin Schutzengel Frances, wo ist denn Fasi?" Der Gnom zog sich einen Popel aus der Nase, den er schließlich ins Wasser flipste. "Fasi ist nicht da!" Er kratzte sich am Hintern. "Ja und wo ist Fasi?" ,fragte Frances. "Brennholz hacken für die Höllenöfen!" Der Gnom zauberte den gleichen Handbohrer hervor, den auch Fasi vor zwei Wochen benutzt hatte. "Brennholz hacken? Warum ist sie nicht hier?" Das kleine Höllenwesen ließ sich zurück fallen auf den Hosenboden und begann damit in aller Ruhe ein Loch zu bohren. "Sie hat letzte Woche die Löcher im Boot wieder zugestopft! Der Meister war sehr ungehalten und nun darf sie Brennholz hacken!" Frances verstand nicht recht. "Sie hat die Löcher wieder zugestopft? Wie was... warum das denn? Naja egal... wie komm ich zu ihr?" Holzspäne bedeckten schon den Boden. "Naja du musst in die Hölle hinab steigen! Das ist ganz einfach. Genauso wie du in den Himmel kommst, aber du musst die 666 vorweg wählen." Frances verstand, und mit einem kurzen Knall landete er in den Tiefen der Unterwelt.
Die Hölle war ein ganz schlimmer Ort. Tiefe Schluchten und Lavaflüsse, ein pechschwarzer Himmel, und es war viel zu warm für Frances. "Oh man ist das eine Hitze hier!" Frances nahm seinen Heiligenschein und wischte sich damit den Schweiß von der Stirn. Er war so mit der drückenden Hitze beschäftigt, dass er gar nicht bemerkte wer vor ihm stand.
Zwei Mann hoch, mit breiten schwarzen Schwingen auf dem Rücken, auf mächtigen Hufen stehend, und mit einer Haut die wie Lava glühte. Ein schmales Gesicht mit Ziegenbart, und einem finsteren Blick wie es nur den inen gab. Lange gekrümmte Hörner wuchsen aus dem Haupt des Riesen und Frances wusste genau wer hier vor ihm stand. "Lu... Luzifer?" Fragte der eingeschüchterte Engel mit zitterigen Knien. "Nenn mich Luzi!", tönte die dämonische Stimme überraschend freundlich zurück. "Na hast du dich verlaufen? Am Himmelstor falsch abgebogen hmm?" Luzifer lachte laut und spöttisch. Frances zitterte vor Angst, doch nahm er allen Mut zusammen und sagte schließlich warum er hier war. "Ich... Herr Luzifer Sir, ich suche Fasi!" Wieder lachte der Teufel laut. "Du bist also der neue Schutzengel von Jonas, jaja! Hältst Fasi von der Arbeit ab, das haben wir gerne, aber ich will mal nicht so sein. Ich bring dich zu ihr!" Frances war überrascht wie einfach das doch ging, aber der Fürst der Finsternis schien es ernst zu meinen. "Folge mir!" Die beiden gingen einen schwach beleuchteten Gang entlang, dessen Ende nur als kleiner leuchtender Punkt zu erkennen war. Mit jedem Meter wurde er schmaler, die Decke niedriger. Luzifer schrumpfte mit jedem Meter um sich nicht den Kopf zu stoßen, und am Ende war er genauso klein wie Frances. Die beiden standen vor einer Tür und Frances sah wie seine Fasi hinter dem Gitterfenster Holz hackte. "Blöder Engel!", fluchte sie, und hackte mit der Axt einen Stamm entzwei. "Blödes Boot!" Ein weiteres Holzstück flog auseinander. Frances hörte dies, und wieder zitterten die Knie, doch Luzifer legte die Hand auf Frances Schulter und man konnte denken Amor würde sprechen. "Na los Kleiner! Geh rein und sag was du sagen willst!" Frances nickte, atmete tief durch und ging hinein.
"Waaas machst du denn hier?" Fasi stand mit der Axt in der Hand, im Raum und verlangte eine Erklärung. Jetzt bloß nichts falsches sagen Frances! Doch er kam überhaupt nicht dazu etwas zu sagen, denn Fasi hielt ersteinmal eine Standpauke. "Duu! Du bist doch schuld daran, dass ich hier Holz hacken darf! Du musst mir ja alles versauen, du... du... du Engel!" Frances schluckte und bemerkte wie der Schweiß von seiner Stirn lief, doch schließlich fragte er: "Warum hast du die Löcher wieder gestopft?" Fasi zögerte kurz. Sie hatte ja keine Ahnung, dass er es wusste. "Ich... ach keine Ahnung! Du hast mich halt völlig aus dem Konzept gebracht!" Fasi legte die Axt beiseite und verschränkte die Arme. "Wenn du nicht drauf anspringst, dann macht es halt nicht soviel Spaß! Aber wieso bist du denn auch einfach so abgehauen? Ich hatte den Eindruck du wolltest mir was sagen!" Oh lieber Gott, nun war es so weit. Jetzt oder nie! Schließlich ist er für dieses Mädchen in die Hölle hinab gestiegen, und schließlich hatte er ja Amors Zauber, der in der Hölle aber leider nicht wirkte, und den er auch nicht brauchte. "Fasi, seit ich dich gesehen habe, kann ich nur noch an dich denken! Ich weiß das ist eigentlich nicht richtig, weil ich bin lieb und freundlich, du bist fies und gemein, und das passt eigentlich nicht zusammen, aber du gehst mir nicht aus dem Kopf! Jeden Morgen wache ich auf und denke daran wieviel Freude du hattest auf dem Boot, und das nachdem ich schon die ganze Nacht von dir geträumt hatte. Ich kann nichts essen, weil die Schmetterlinge in meinem Bauch keinen Platz mehr lassen, und ich platze jeden Tag fast vor Sehnsucht, dich endlich wieder zu sehen. Fasi..." Luzifer stand hinter Frances und stupste ihn an. "Los sag es endlich!" Frances nickte einmal. "Fasi ich liebe dich!"
Stille... Fasi stand wie angewurzelt da, und wusste überhaupt nichts mehr. Er liebte sie? Was, wie, wo? Wie das? Das hatte noch nie jemand zu ihr gesagt. Sie war völlig überfordert mit der Vorstellung, dass jemand sie lieben könnte. Sie! Einen Satansbraten erster Klasse. Aber ärgerte sie das?
Verlegen blickte sie zu Boden, legte schüchtern die Hände zusammen, und murmelte: "Naja... ich glaube ich find dich ja auch ganz süß... son bisschen..." Hätte sie nicht sowieso schon rote Haut gehabt, wäre sie nun wohl vor Scham angelaufen. Frances blaue Augen strahlten, er lächelte groß und breit, und Luzifer hinter ihm verdrückte eine Freudenträne. Langsam ging er auf sie zu, stand nun ganz nah vor ihr. Sie blickte immernoch zu Boden, doch Frances hob ganz zärtlich ihr Kinn. Sie blickten sich an, Frances verlor sich in ihren wunderschönen braunen Augen, sah wie sie strahlten und Fasi begann zu lächeln. Die Zeit schien still zu stehen. Frances fühlte sich wie Zuhause im siebten Himmel. Sanft legten sie die Arme umeinander und schließlich fanden sich ihre Lippen und der Engel Frances küsste seine Teufelin zum ersten Mal.
Am nächsten Sonntag lag Jonas in einem neuen Paddelboot auf dem See im Stadtpark. Er musste es einem alten Fischer abkaufen, da sein letztes Boot auf mysteriöse Weise abgesoffen ist. Sollte es hier wohl doch Fische geben, und kauten diese Fische Boote an? Wie auch immer, Jonas schlief natürlich wieder. Fasi und Frances standen am Bug des kleinen Bootes, sie stand vor ihm, und er hielt sie sanft fest. Zusammen breiteten sie die Arme auseinander, blickten hinaus auf den schillernden See der vor ihnen lag, spürten wie eine leichte Brise durch ihre Haare wehte, und sie liebten es zusammen zu sein. Frances konnte sich gerade noch bremsen "Ich bin der König der Welt!" zu rufen, denn damit hätter er wohl seinen Chef verärgert. Frances war der glücklichste kleine Engel zwischen Himmel und Hölle, und Fasi die glücklichste kleine Teufelin.
PS: Aufgrund der eisigen Temperaturen ist in nächster Zeit davon abzuraten einen Ausflug in die Unterwelt zu machen. Da Luzi gerührt durch die Liebe von Fasi und Frances jegliche Boshaftigkeit nieder legte, konnte er einfach niemanden mehr zum Holzhacken zwingen, sodass die Hölle zufror.